Frühs geht's erst mal nach Rinteln. In einer Cafe- Bäckerei am Marktplatz gibt's erst mal gepflegt und gemütlich Frühstück, während ich dem erwachenden Kleinstadt Leben zu sehe.
Die 25 km bis Hameln sind dann schnell abgeradelt, auch wenn meine Beine vom gestrigen Gegenwind radeln noch etwas schwergängig sind. Hameln ist sehenswert und wohl schon länger kein Geheimtipp mehr. Die meisten Touristen tummeln sich auf den Hauptpromenaden der Stadt. Mich begeistern aber viel mehr die kleinen Gäßchen mit den uralten Fachwerkhäusern. Sehr, sehr schön hier. Bereits 14 Uhr geht's dann weiter, sie Strecke wird gefühlt immer schöner. Das Weser Bergland gefällt mir. Die Weser hat sich hier ein breites Tal durch die bewaldeten Hügel gegraben. So rolle ich hier mit wenig Anstiegen und schönen Panoramaaussichten durchs Tal. Allerdings ist es ziemlich warm heute schon wieder und mein Flüssigkeitskonsum unterwegs steigt enorm an. In einem kleinen netten Örtchen, namens Bodenwerder mache ich nochmal Zwischenstop, hier wurde der Freiherr von Münchhausen geboren. Sein Geburtshaus ist zu sehen und viele nette kleine Cafés. Mittlerweile abends rolle ich dann noch bis Polle weiter und finde ganz unverhofft einen schönen kleinen Camping direkt an der Weser hier. Der Platz ist wirklich schön, es gehört eine kleine Selbstbedienungsgaststätte mit Terrasse dazu, wo ich mir unmittelbar nach dem Zeltaufbau erstmal ein Radler ordne. Hier sind einige Leute mit Zelt auf der Wiese, einige sind mit Fahrrad unterwegs, andere mit Kanus. An der Weser sind überall Tische, Bänke und Liegestühle aufgebaut. So schnappe ich mir ein Buch und dämmere im Liegestuhl dem Dunkel werden entgegen.
17.Tag Donnerstag der 26. Juni
Es geht mit Regen los heute. Zum Frühstück verziehe ich mich auf die überdachte Terrasse der Gaststätte, wo sich nach und nach die anderen Zelter auch einfinden. Mit einem bayrischen Paar, die die Weser mit einem Kanut abfahren, bin ich schnell im Gespräch. Der starke Wind ist ein Problem für ihr Boot meinen sie, kann ich bestätigen für mein Fahrrad auch. Da ich heute nach Süden unterwegs bin, habe ich natürlich auch einen kräftigen Südwind heute. Die 25km bis zum Kloster Corvey habe ich dann aber doch relativ schnell abgeradelt, frühs sind die Beine halt noch frisch. Das Kloster und Schloß ist wirklich sehr sehenswert. Für 19€ erstehen ich die Berechtigungskarte mir hier alles ansehen zu dürfen Die ursprüngliche Kirche stammt aus dem 9.Jh. und ist Weltkulturerbe. Daran schließt sich eine Kirche im Barockstil an. Die gesamte Anlage in seiner jetzigen Form stammt wohl aus dem 17.Jh. Ich besichtige die Wohnräume des Schlosses inklusive Bibliothek. Neben der Kirche befindet sich die Grabstätte von Hofmann von Fallersleben. Eine sehr sehenswerte Gartenanlage gehört auch noch zu dem Ganzen. So sind schnell 3h Rum bevor ich weiterkomme. Bis Höxter ist es nicht mehr weit, ich fahre aber nur bis zum ersten Imbiss in die Stadt. Ich will schnell weiter, am Himmel braut sich Ungutes zusammen. Der Wind legt nochmal einen obendrauf. Ich verkrieche mich erstmal in eine Schutzhütte am Wegesrand, bisher nieselt es nur, das angekündigte Unwetter läßt noch auf sich warten. Bald danach gesellen sich noch 2 E-Biker zu mir in die Hütte. Wir sind schnell im Gespräch über Fahrräder und Reisen damit. Als sich der Wind etwas legt, brechen wir wieder auf, der Himmel klärt zunehmend auf. Im nächsten Ort mache ich noch einige Einkäufe beim Edeka. Als ich den Laden verlasse, ist es auf einmal zappenduster draußen. Oh, oh ich flüchte mich schleunigst ins Parkhaus des Kaufhauses, als auch schon Sturzfluten vom Himmel kommen. Der Regen hört einfach nicht auf. Nach 1h beschließe ich mir die Regenklamotten über zu schmeißen, ich will unbedingt noch ein Stück weiterkommen heute. Ein Gutes hat der Regen, der Wind hat sich plötzlich gelegt und so brause ich im Höchsttempo über die nassen Wege, macht irgendwie Spaß, auch wenn ich merke, wie unter meiner Schutzschicht die Klamotten immer klammer werden. Bis Oedelsheim komme ich so noch, hier gibt es einen Campingplatz an der Weser und mein Zelt steht direkt neben einer geschlossenen Schutzhütte, kann also nichts passieren heute Nacht.
Bis Hann-Münden habe ich dann morgen keine 30km mehr zu fahren.
18.Tag Freitag der 27. Juni
Es nieselt. Heißt für mich die restliche Strecke an der Weser bis Hann.Münden muß ich in Regenklamotten absolvieren. Ist mir heute ganz Recht, die Strecke verläuft großteils auf straßenbegleitenden Radwegen und die Zahl der Höhenmeter steigt langsam, jetzt muß ich ab und an dich Mal ein Hügelchen hoch. Kurz vor Hann. Münden kann ich meine Regenklamotten endlich abschmeißen, auch wenn der Himmel heute bedrohlich bewölkt bleibt. So kann ich im Fahrtwind meine schweißnassen Klamotten noch etwas trocknen, bevor ich die Stadt erreiche. Hann. Münden begeistert mich genauso wie Hameln, eine komplett erhaltene Innenstadt mit alten Fachwerkhäusern, wirklich sehr sehenswert. So latsche ich 3h lang die Innenstadt ab. Erst nachmittags komme ich weiter. Ich habe beschlossen dem Werratal Radweg weiter zu folgen. In Witzenhausen mache ich nochmal Rast. Auf einer Wiese an der Werra hat sich hier ein Umweltcamp aufgebaut, die gegen den Bau einer LKW Brücke demonstrieren. Zu dem Ganzen gehört natürlich ein Imbiss- und Getränkewagen, ideal für eine Rast für mich, das ich beruflich Brücken bauen, verrate ich besser nicht 😃. Ein paar km hinter Witzenhausen verläuft die Strecke durch ein Naturschutzgebiet direkt an der Werra, wunderschön hier, Genußradeln pur. Bis Wahlhausen komme ich heute, hier checke ich im örtlichen Camping ein und baue mein Zelt direkt an der Werra auf. Neben mir campt ein älterer Herr aus Brake, der mit Motorrad unterwegs ist. Er sieht ein bißchen wie Horst Lichter aus und ist auch genauso unterhaltsam, so sind wir schnell über Gott und die Welt im Gespräch. Danach trifft noch eine Gruppe aus 3 jungen Radlern ein. Sehr unterhaltsam denen zu zuschauen, wie die zum ersten Mal ihre Zelte aufbauen. Unten an der Weser legt dann noch eine Gruppe junger Männer mit 4 aufblasbaren Kajaks an. Die haben selbst eine Kühlanlage mit auf einem Boot um die Getränke kühl zu halten. Entsprechend angetüdelt sieht die ganze Truppe auch aus. Der Zeltaufbau ihres Großzeltes mit vielen Stangen ist dann noch spannender, zum Glück verletzt sich keiner bei der Zeltaufbaushow. Einer der 4 stellt sich dann auch als Kühltechniker vor, kein Wunder also die Bootsausstattung. Ganz schön was los hier auf dem Camping, für Unterhaltung ist gesorgt.
19.Tag Samstag der 28. Juni
Frühs fahre ich erstmal nach Allendorf, Frühstück gibt's beim Bäcker hier. Das Dorf ist sehr sehenswert mit seinen Fachwerkhäusern.Die Strecke ist schön , es geht immer in Schleifen an der Werra lang. Gegen Mittag bin ich in Eschwege. Hier ist irgendein Fest im Gange, irre viele Menschen unterwegs, es sind mehrere Kapellen unterwegs. Es muß irgendwas mit Eschenzweigen zu tun haben, die hier vor Hauseingängen drapiert sind. Die Innenstadt ist wieder sehr Schmuck, auch mit vielen Fachwerkhäusern. Mir ist der ganze Trubel bei der Hitze heute zu viel und ich mache mich wieder auf Strecke. In Winfried mache ich nochmal Rast an einer schönen alten Schenke aus Fachwerk natürlich. Es wird immer heißer und auf der Strecke gibt es kaum Schatten. In Treffurr entscheide ich mich etwas abzukürzen und ein paar Werraschleifen wegzulassen auf einer Südwest-Fahrradroute nach Creuzburg. Schlechte Entscheidung, die paar gesparten Fahrkilometer bezahle ich mit vielen Höhenmetern und Gegenwind. Was soll's völlig durchgeschwitzt und schon ganz schön kaputt komme ich gegen 17Uhr in Creuzburg an und decke mich beim nächsten Supermarkt erstmal noch schnell fürs Wochenende ein.Dann geht's noch 17kn nach Eisenach rüber. Ich habe mich entschlossen die kommende Hitzewelle nicht zu radeln, das war heute schon ganz schön heftig. Kurz nach 18 Uhr bin ich in Eisenach und 1h später geht ein Zug nach Weimar.















