Sonntag, 29. Juni 2025

Tag 16 bis Tag 19

16.Tag Mittwoch der 25. Juni

Frühs geht's erst mal nach Rinteln. In einer Cafe- Bäckerei am Marktplatz gibt's erst mal gepflegt und gemütlich Frühstück, während ich dem erwachenden Kleinstadt Leben zu sehe.
Die 25 km bis Hameln sind dann schnell abgeradelt, auch wenn meine Beine vom gestrigen Gegenwind radeln noch etwas schwergängig sind. Hameln ist sehenswert und wohl schon länger kein Geheimtipp mehr. Die meisten Touristen tummeln sich auf den Hauptpromenaden der Stadt. Mich begeistern aber viel mehr die kleinen Gäßchen mit den uralten Fachwerkhäusern. Sehr, sehr schön hier. Bereits 14 Uhr geht's dann weiter, sie Strecke wird gefühlt immer schöner. Das Weser Bergland gefällt mir. Die Weser hat sich hier ein breites Tal durch die bewaldeten Hügel gegraben. So rolle ich hier mit wenig Anstiegen und schönen Panoramaaussichten durchs Tal. Allerdings ist es ziemlich warm heute schon wieder und mein Flüssigkeitskonsum unterwegs steigt enorm an. In einem kleinen netten Örtchen, namens Bodenwerder mache ich nochmal Zwischenstop, hier wurde der Freiherr von Münchhausen geboren. Sein Geburtshaus ist zu sehen und viele nette kleine Cafés. Mittlerweile abends rolle ich dann noch bis Polle weiter und finde ganz unverhofft einen schönen kleinen Camping direkt an der Weser hier. Der Platz ist wirklich schön, es gehört eine kleine Selbstbedienungsgaststätte mit Terrasse dazu, wo ich mir unmittelbar nach dem Zeltaufbau erstmal ein Radler ordne. Hier sind einige Leute mit Zelt auf der Wiese, einige sind mit Fahrrad unterwegs, andere mit Kanus. An der Weser sind überall Tische, Bänke und Liegestühle aufgebaut. So schnappe ich mir ein Buch und dämmere im Liegestuhl dem Dunkel werden entgegen.






17.Tag Donnerstag der 26. Juni

Es geht mit Regen los heute. Zum Frühstück verziehe ich mich auf die überdachte Terrasse der Gaststätte, wo sich nach und nach die anderen Zelter auch einfinden. Mit einem bayrischen Paar, die die Weser mit einem Kanut abfahren, bin ich schnell im Gespräch. Der starke Wind ist ein Problem für ihr Boot meinen sie, kann ich bestätigen für mein Fahrrad auch. Da ich heute nach Süden unterwegs bin, habe ich natürlich auch einen kräftigen Südwind heute. Die 25km bis zum Kloster Corvey habe ich dann aber doch relativ schnell abgeradelt, frühs sind die Beine halt noch frisch. Das Kloster und Schloß ist wirklich sehr sehenswert. Für 19€ erstehen ich die Berechtigungskarte mir hier alles ansehen zu dürfen Die ursprüngliche Kirche stammt aus dem 9.Jh. und ist Weltkulturerbe. Daran schließt sich eine Kirche im Barockstil an. Die gesamte Anlage in seiner jetzigen Form stammt wohl aus dem 17.Jh. Ich besichtige die Wohnräume des Schlosses inklusive Bibliothek. Neben der Kirche befindet sich die Grabstätte von Hofmann von Fallersleben. Eine sehr sehenswerte Gartenanlage gehört auch noch zu dem Ganzen. So sind schnell 3h Rum bevor ich weiterkomme. Bis Höxter ist es nicht mehr weit, ich fahre aber nur bis zum ersten Imbiss in die Stadt. Ich will schnell weiter, am Himmel braut sich Ungutes zusammen. Der Wind legt nochmal einen obendrauf. Ich verkrieche mich erstmal in eine Schutzhütte am Wegesrand, bisher nieselt es nur, das angekündigte Unwetter läßt noch auf sich warten. Bald danach gesellen sich noch 2 E-Biker zu mir in die Hütte. Wir sind schnell im Gespräch über Fahrräder und Reisen damit. Als sich der Wind etwas legt, brechen wir wieder auf, der Himmel klärt zunehmend auf. Im nächsten Ort mache ich noch einige Einkäufe beim Edeka. Als ich den Laden verlasse, ist es auf einmal zappenduster draußen. Oh, oh ich flüchte mich schleunigst ins Parkhaus des Kaufhauses, als auch schon Sturzfluten vom Himmel kommen. Der Regen hört einfach nicht auf. Nach 1h beschließe ich mir die Regenklamotten über zu schmeißen, ich will unbedingt noch ein Stück weiterkommen heute. Ein Gutes hat der Regen, der Wind hat sich plötzlich gelegt und so brause ich im Höchsttempo über die nassen Wege, macht irgendwie Spaß, auch wenn ich merke, wie unter meiner Schutzschicht die Klamotten immer klammer werden. Bis Oedelsheim komme ich so noch, hier gibt es einen Campingplatz an der Weser und mein Zelt steht direkt neben einer geschlossenen Schutzhütte, kann also nichts passieren heute Nacht.
Bis Hann-Münden habe ich dann morgen keine 30km mehr zu fahren.






18.Tag Freitag der 27. Juni

Es nieselt. Heißt für mich die restliche Strecke an der Weser bis Hann.Münden muß ich in Regenklamotten absolvieren. Ist mir heute ganz Recht, die Strecke verläuft großteils auf straßenbegleitenden Radwegen und die Zahl der Höhenmeter steigt langsam, jetzt muß ich ab und an dich Mal ein Hügelchen hoch. Kurz vor Hann. Münden kann ich meine Regenklamotten endlich abschmeißen, auch wenn der Himmel heute bedrohlich bewölkt bleibt. So kann ich im Fahrtwind meine schweißnassen Klamotten noch etwas trocknen, bevor ich die Stadt erreiche. Hann. Münden begeistert mich genauso wie Hameln, eine komplett erhaltene Innenstadt mit alten Fachwerkhäusern, wirklich sehr sehenswert. So latsche ich 3h lang die Innenstadt ab. Erst nachmittags komme ich weiter. Ich habe beschlossen dem Werratal Radweg weiter zu folgen. In Witzenhausen mache ich nochmal Rast. Auf einer Wiese an der Werra hat sich hier ein Umweltcamp aufgebaut, die gegen den Bau einer LKW Brücke demonstrieren. Zu dem Ganzen gehört natürlich ein Imbiss- und Getränkewagen, ideal für eine Rast für mich, das ich beruflich Brücken bauen, verrate ich besser nicht 😃. Ein paar km hinter Witzenhausen verläuft die Strecke durch ein Naturschutzgebiet direkt an der Werra, wunderschön hier, Genußradeln pur. Bis Wahlhausen komme ich heute, hier checke ich im örtlichen Camping ein und baue mein Zelt direkt an der Werra auf. Neben mir campt ein älterer Herr aus Brake, der mit Motorrad unterwegs ist. Er sieht ein bißchen wie Horst Lichter aus und ist auch genauso unterhaltsam, so sind wir schnell über Gott und die Welt im Gespräch. Danach trifft noch eine Gruppe aus 3 jungen Radlern ein. Sehr unterhaltsam denen zu zuschauen, wie die zum ersten Mal ihre Zelte aufbauen. Unten an der Weser legt dann noch eine Gruppe junger Männer mit 4 aufblasbaren Kajaks an. Die haben selbst eine Kühlanlage mit auf einem Boot um die Getränke kühl zu halten. Entsprechend angetüdelt sieht die ganze Truppe auch aus. Der Zeltaufbau ihres Großzeltes mit vielen Stangen ist dann noch spannender, zum Glück verletzt sich keiner bei der Zeltaufbaushow. Einer der 4 stellt sich dann auch als Kühltechniker vor, kein Wunder also die Bootsausstattung. Ganz schön was los hier auf dem Camping, für Unterhaltung ist gesorgt.






19.Tag Samstag der 28. Juni

Frühs fahre ich erstmal nach Allendorf, Frühstück gibt's beim Bäcker hier. Das Dorf ist sehr sehenswert mit seinen Fachwerkhäusern.Die Strecke ist schön , es geht immer in Schleifen an der Werra lang. Gegen Mittag bin ich in Eschwege. Hier ist irgendein Fest im Gange, irre viele Menschen unterwegs, es sind mehrere Kapellen unterwegs. Es muß irgendwas mit Eschenzweigen zu tun haben, die hier vor Hauseingängen drapiert sind. Die Innenstadt ist wieder sehr Schmuck, auch mit vielen Fachwerkhäusern. Mir ist der ganze Trubel bei der Hitze heute zu viel und ich mache mich wieder auf Strecke. In Winfried mache ich nochmal Rast an einer schönen alten Schenke aus Fachwerk natürlich. Es wird immer heißer und auf der Strecke gibt es kaum Schatten. In Treffurr entscheide ich mich etwas abzukürzen und ein paar Werraschleifen wegzulassen auf einer Südwest-Fahrradroute nach Creuzburg. Schlechte Entscheidung, die paar gesparten Fahrkilometer bezahle ich mit vielen Höhenmetern und Gegenwind. Was soll's völlig durchgeschwitzt und schon ganz schön kaputt komme ich gegen 17Uhr in Creuzburg an und decke mich beim nächsten Supermarkt erstmal noch schnell fürs Wochenende ein.Dann geht's noch 17kn nach Eisenach rüber. Ich habe mich entschlossen die kommende Hitzewelle nicht zu radeln, das war heute schon ganz schön heftig. Kurz nach 18 Uhr bin ich in Eisenach und 1h später geht ein Zug nach Weimar.




 

Dienstag, 24. Juni 2025

Tag 12 bis Tag 15

12.Tag Samstag der 21. Juni

Frühs muß ich erst mal wieder Till finden, der wieder wild gecampt hat. Danach geht es heute langsam weiter. Die Sonne drückt heute schon enorm und meistens fahren wir durch Schattenlose Felder. Während es an der Ostsee wenigstens teilweise ein bißchen hügelig oder wenigstens eine wellige Strecke war, ist hier einfach alles platt und eben, wenn man nicht ab und einen kleinen Deichdamm hoch müßte, würde man 0 Höhenmeter fahren. Wir nutzen jedes schattige Plätzchen heute für Pausen. Von der Weser sehen wir wenig. Der Radweg führt meist durch die Felder des Hinterlandes. Unterwegs passieren wir Verden, ein nettes kleines Städtchen mit langer Boulevardzone mit Cafés und Eisdielen, so verweilen wir hier länger. Gegen Abend kann ich Till überreden auf dem nächsten Camping mit einzuchecken, so eine Dusche nach so einem heißen Tag ist schon ganz gut. So landen wir auf einem kleinen Campingplatz am See bei Alvesen. Nach dem Zeltaufbau geht's dann auch erstmal ins Wasser, eine Wohltat nach dem heißen Tag heute.

13.Tag Sonntag der 22. Juni

Wir beschließen heute auf dem Campingplatz zu bleiben. Viel zu warm heute, 32 Grad sollen es werden. So gibt es heute schön lesen im Schatten, Baden im See und eine kleine Bootstour auf dem 3km langen See. Der See ist ganz nett, viele Seerosen und Enten und einige Standup-Paddler sind auch unterwegs. Die Boote gehören zum Campingplatz und man kann sich die einfach nehmen, super. Am Campingplatz Kiosk erstehen ich noch eine Packung Reis, so gibt's nach vielen Abenden mit Nudeln heute mal etwas Abwechslung im Speiseplan. Wir kriegen das Essen gerade noch so im Trockenen gekocht. Zum Speisen müssen wir uns unter einen Baum verkriechen, es regnet mittlerweile, es rollen dicke graue Wolken heran. Im Hintergrund hört man es schon grollen. 21 Uhr sitzen wir dann mitten im Orkan und verziehen uns in die Zelte. 2 Stunden lang donnert und kracht es um uns herum, gar nicht angenehm im Zelt mitten im Flachland hier.


14.Tag Montag der 23. Juni

Heute früh geht es erstmal nach Hoya. Ich bestehe drauf das sich Till erstmal seine Brandwunde von einem Arzt anschauen läßt. Ich warte an der Weserpromenade Tills Arztbesuch ab. Sichtlich entspannt kommt Till dann zurück, scheint alles gut zu verheilen. Mittlerweile 13 Uhr geht es dann weiter, erstmal wieder einkaufen nach dem Wochenende und dann auf Strecke. Wir haben heute ziemlich heftigen böigen Wind, der bei den Schleifen die wir an der Weser fahren, mal gegen und mal mit uns ist. Das Land bleibt leider flach und die Weser ist viel zu wenig zu sehen, komisch diese Flußradwege. Nach 37km entdeckt Tille eine Stelle an der unbedingt wild campen will. Es ist zwar schon 17 Uhr, mir ist das aber echt zu wenig Tagesleistung. So fahre ich allein weiter. Bald darauf komme ich durch Nienburg, ein schönes Städtchen mit liebevoll restaurierten Häusern in der Innenstadt und einer alten Backsteinkirche, gefällt mir ausgesprochen gut. Kurz hinter Nienburg soll es einen Campingplatz etwas abseits der Strecke geben. Aber wiedernal stehe ich vor einem verschlossenen Privatgelände, hier gibt es keinen Camping mehr. Ärgerlich so muß ich noch 20km weiter bis nach Stolzenau, dort ist der nächste Zeltplatz, hoffe ich jedenfalls. Nach 20 Uhr treffe ich dann auf einem real existierenden Campingplatz in Stolzenau ein und klingle den nicht sehr amüsierten Platzwart heraus. Aber der Platz ist schön, ich campe direkt an der Weser, direkt hinter meinem Zelt ziehen die Kähne auf der Weser entlang.

15.Tag Dienstag der 24. Juni

Am Morgen lerne ich noch einen Niedersachsen kennen, dér gestern Abend noch nach mir mit einem Kanadier hier angelegt hat. Er fährt die Weser mit seinem Boot ab. Dann geht's gegen 10 Uhr wieder auf Tour. Ab heute ohne Till, er fühlt sich außerstande bis Mittag hier am Campingplatz zu sein und ich habe die Trödelei satt. Irgendwie passen unsere Vorstellungen so einer Radreise nicht so Recht zusammen. Ein bißchen Strecke muß man schon machen, sonst bin ich in 5 Jahren mit der Tour noch nicht durch. Der Wind kommt heute mit Böen aus Südwest, das heißt die ersten 55km sind verdammt anstrengend. Um 13 Uhr erreiche ich Minden und mache einen Abstecher durch die Stadt. Die Innenstadt gefällt mir sehr, wirklich teils sehr beeindruckende Bürgerhäuser, dazwischen häufig aber auch Neubauten. Etwas neben der Hauptpromenade, geht's zur Martinikirche und gleich dahinter ist eine wirklich zauberhaften Ecke, man fühlt sich wie im Mittelalter, nur in schön. Hinter Minden rolle ich auf die ersten Hügel zu. Welch wohltuender Anblick nach all dem Platten Land. Willkommen im Weser-Bergland. Noch 15km weiter und ich kann endlich nach Osten abbiegen und entkomme dem scheußlichen Gegenwind. Auch die Weser gefällt mir hier schon besser, sieht langsam wie ein Fluß aus und nicht nur wie eine Wasserstraße.
Kurz vor Rinteln checke ich am Doktor See am Campingplatz ein. Eine riesige Anlage mit mehreren Seen, auf einem schwimmen Schwäne. Der Caravan Stellplatz ist gut belegt, es gibt viele Bungalows, nur auf der Zeltwiese bin ich der Einzige. Zum Glück gibt es einen halboffenen überdachten Pavillon, wo ich mir mein Essen kochen kann, das wäre sonst bei dem windigen Wetter schwierig geworden.


Freitag, 20. Juni 2025

Tag 8 bis Tag 11

8.Tag Dienstag der 17. Juni

Wir lassen es heute langsam angehen. Eberhard hat sich bei Till gemeldet, er ist immer noch krank und fährt wieder nach hause. Für uns geht es erstmal nach Wismar. Die Innenstadt von Wismar ist wirklich schön und überraschend groß. An der Nikolaikirchen treffen wir auf ein Radlerpärchen aus Hamburg, mit denen wir schnell im Gespräch sind. Sie empfehlen uns die Shelter Unterkünfte in Schleswig Holstein, die sehr schön gelegen sein sollen. Für uns geht's noch zum Hafen, wo es erstmal eine Espressopause mit Tills Espressokocher gibt. Danach geht's raus Wismar. Wir kommen aber nicht weit. Der erste Strand nach Wismar hält uns fest. Nach Strand Relaxen geht's dann aber weiter nach Boltenhagen, wo es noch viel mehr Strände gibt, die uns unweigerlich von der Strecke ziehen. Mittlerweile abends geht's dann weiter zur Suche nach einer Camp Möglichkeit. Ca. 10km weiter finden wir an einem Waldweg eine super Stelle direkt an der Steilküste. Super idyllisch. Leider aber scheinbar auch sehr beliebt bei einheimischen Hunde-Gassi-Gängern. Und so werden wir schnell wieder verscheucht von einem gar nicht amüsierten Mecklenburger. Ein Stück wieder zurück finden wir dann aber eine frisch gemähte Wiese, auf der wir versteckt in einer Senke unsere Zelte abends wieder aufbauen.

9.Tag Mittwoch der 18. Juni

Bis 7 Uhr haben wir unsere Zelte wieder abgebaut und sitzen auf den Rädern. Es geht aber erstmal nur bis zur nächsten Picknickbank, wo es erstmal ein ausgedehntes Frühstück gibt. Mittlerweile 10 Uhr geht's dann weiter. Die Strecke hier, ich will's nicht hügelig nennen, ist aber ganz schön wellig, was ganz schön anstrengend sein kann. Ab der nächsten Strandtoilette gibt's dann erstmal Morgenwäsche. Die Strecke geht fast die ganze Strecke bis Travemünde an Strandabschnitten vorbei. Von der ehemaligen Grenze, die hier mal verlaufen ist, ist nichts mehr zu sehen. In Travemünde geht's mit der Fähre erstmal auf die andere Seite der Trave. Wir bleiben nur kurz hier im sehr belebten Hafen und fahren gleich weiter zum Bahnhof. Wir wollen einen Abstecher nach Lübeck machen und mit dem Zug geht das am einfachsten. Vom Bahnhof in Lübeck zur Insel mit der Altstadt ist es nicht weit und so rollen wir mit den Rädern durch das Holstentor. Es geht weiter zum beeindruckenden Marktplatz und zur Marienkirchen dahinter, weiter durch die Straßen der Innenstadt. Die alten Bürgerhäuser beeindrucken. Wir haben leider nur wenig Zeit zur Besichtigung. Am späten Nachmittag geht's wieder zum Bahnhof und zurück nach Travemünde. Am Hafen hier werden wir noch Zeuge einer erfolgreichen Möwenattacke auf das Fischbrötchen einer Touristin. Für uns geht's weiter nach Scharbeutz. Die Strecke an der Ostseeküste ist hier komplett besiedelt, eine Ortschaft geht direkt in die nächste über. Einkaufsmeilen für Touris ohne Ende. In Scharbeutz will ich auf den örtlichen Camping. Alle 2 Tage muß ich meine Elektrogeräte aufladen und freue mich dann auch auf eine anständige Dusche. Till will wieder wild campen, so trennen sich unsere Wege erstmal am Campingplatz 

10.Tag Donnerstag der 19. Juni

Frühs muß ich, nachdem ich meine Sachen auf dem Campingplatz zusammen gepackt habe, erstmal auf Spurensuche nach Till gehen, der irgendwo am Süseler See ist, dazu hat er mir ein Suchbild geschickt, das kaum zu erkennen ist. Zum Glück gibt es nicht so viele Zugänge zum See und so finde ich ihn schnell. Till muß sich aber erstmal verarzten, irgendwie hat er es frühs geschafft, sein heißes Kaffewasser über sein Bein zu kippen anstatt in die Tasse. So prangen da jetzt schöne Brandblasen, zudem muß er erst noch seine Sonnenbrille an seinem Campplatz wiederfinden. So kommen wir erst 11 Uhr los. Es geht in die Holsteinische Schweiz. Die Steigungen halten sich aber in Grenzen, so sind wir schnell in Eutin, einem hübschen kleinen Städtchen mit Schloss und Parkanlage, wirklich schön hier, vor allem sind hier nicht so viele Touristen unterwegs wie an der Ostsee. Ab jetzt geht die Strecke an einem See nach dem anderen durch Wälder weiter. Echt idyllisch hier, keine Touristenmassen. Ein Rastplatz schöner als der andere, so kommen wir nur langsam vorwärts, aber genießen die Idylle. Es geht weiter durch Plöhn bis nach Ascheberg heute. Mittlerweile ist es nach 18 Uhr und die Rezeption am örtlichen Camping nicht mehr besetzt, so bauen wir unsere Zelte erst Mal so auf. Der Platz ist schön am Großen Plöhner See gelegen. Zugang zu den Waschanlagen und Co haben wir nicht, alles mit Codekarten gesichert.

11.Tag Freitag der 20. Juni

Früh um 6:30 sind unsere Fahrräder wieder bepackt und abfahrbereit. Die Rezeption öffnet erst um 8 Uhr und auf Grund des fehlenden Services wollen wir auch nicht bezahlen. So geht's erstmal ins nächste Dorf am See. Hier finden wir einen Steg in den See mit Bänken und Tisch. Super, so gibt's heute Frühstück im See, so was kann kein Hotel bieten. Am nächsten See mittlerweile 9 Uhr lege ich noch eine Badepause ein, dringend nötig nach dem Camping ohne Waschgelegenheit. Till muß aufs Baden noch verzichten, seine Brandwunde läßt das nicht zu. Neumünster erreichen wir 11:30 nach 30km. Wir wollen von hier über Hamburg nach Bremen mit dem Zug fahren. 12:30 fährt der Zug pünktlich ab. Aber das Unheil läßt nicht lange auf sich warten. Kurz vor Elmshorn stoppt der Zug erstmal ewig, dann heißt es Stellwerksausfall, der Zug wird nach Hamburg Altona umgeleitet. Schon ziemlich verspätet kommen wir in Altona an und zwängen uns in eine S-Bahn zum Hauptbahnhof. Der Hamburger Hauptbahnhof ist Hektik pur, so viele Leute auf so engen Raum, irre. Den ersten Zug nach Bremen lassen wir aus, völlig überfüllt, keine Chance mit unseren Rädern. Im nächsten sieht es dann besser aus. Mittlerweile nach 17 Uhr kommen wir in Bremen an. Die Strecke zum Marktplatz ist schnell geradelt. Wirklich sehr beeindruckend und schön der Platz. Die Bremer Stadtmusikanten finden wir auch noch. Zu mehr Stadtbesichtigung reicht die Zeit leider nicht. Es geht noch schnell zum Supermarkt, die Versorgung für heute Abend und morgen früh sichern und schön sind wir wieder auf Strecke an der Weser gen Süden unterwegs. Ich will noch den nächsten Camping erreichen und Till will wieder wild campen. So radeln wir noch schnelle 20km aus der Stadt raus. Die Weserwiesen vor Bremen sind noch sehr bevölkert in den sonnigen Abendstunden. Nett hier an der Weser.

Montag, 16. Juni 2025

Tag 3 bis Tag 7

3.Tag Donnerstag der 12. Juni

Zeit zum Aufbruch von meinem bisherigen Lieblingscampingplatz. Die erste Radtour steht an. Die Sachen sind früh relativ schnell zusammengepackt, mit zunehmender Routine in den nächsten Tagen wird das immer schneller gehen. 9:30 sitze ich auf dem Rad, es geht südwärts, vorbei am Fährhafen Neumukran, erster Haltepunkt ist Prora mit dem riesigen Gebäudekomplex aus den Zeiten des ‘3.Reichs’. Mittlerweile ist das fast alles saniert und in Wohnungen und Ferienunterkünfte umgewandelt. Aber trotzdem noch irre dieser nicht enden wollende Gebäudekomplex. Weiter geht's zum Seebad Binz. Hier gibt's das Kontrastprogramm zu dem Häusermonster vorher. Binz ist wirklich schick. Die Häuser mit ihren vorgebauten geschwungenen Holzbalkonen ganz in weiß haben viel Charme. Schön schön hier, aber auch viele Menschen. Von hier geht's weiter nach Sellin, besonders sehenswert hier ist die mondäne Seebrücke. Bei all den Dingen zu besichtigen komme ich am Anfang nicht wirklich schnell vorwärts, heißt ich muß für den 2.Teil heute ein bißchen Gas geben um meinen Camping noch zu erreichen. Die Strecke ist aber wirklich schön und teils überraschend hügelig. Es geht durch Wälder, vorbei an kleinen Seen, durch schöne kleine Dörfer mit Reet gedeckten Dächern. Rügen gefällt mir sehr. Kurz nach 18 Uhr checke ich auf meinem Camping bei Zicker heute ein. Der Platz befindet sich im Südosten von Rügen direkt an der Ostsee. So geht's nach dem Zeltaufbau auch direkt zum Anbaden. Eine Wohltat nach der Tour 

4.Tag Freitag der 13. Juni

Es geht erstmal Richtung Stralsund heute. Die Strecke bis dorthin ist nicht ganz so schön wie gestern. Viele straßenbegleitende Radwege oder direkt auf Landstraßen. Ist mir heute ganz Recht so, so komme ich schneller voran, gegen 12 Uhr kommt Till heute mit dem Zug in Stralsund an, bis dahin will ich möglichst dort sein. Unterwegs versorge ich mich an einem Imbiss noch mit einer leckeren Fischsojanka. Nach 30km rolle ich über den Rügendamm nach Stralsund rein. 11:50 rolle ich am Bahnhof vor und sehe Till wie er gerade sein Rad aus der Bahnhofshalle schiebt. Besser hätte man das nicht timen können, wirklich sekundengenau Super ab jetzt geht's zu zweit weiter auf Tour. Nach Besichtigung der Stadt, Markt, Hafen inklusive vor Anker liegender Gorch Fock, geht's weiter entlang der Ostseeküste. Der Wind ist großteils mit uns, so radelt es sich gut an der hier flachen Küste. Bis kurz vor Dabitz rollen wir, bis wir hier einen Unterstand in Ostseenähe entdecken. Der perfekte Platz um hier über Nacht zu biwakieren. Bis abends um 10 fahren hier noch die Traktoren zur Heumad. Danach bauen wir unsere Zelte etwas versteckt auf der frisch gemähten Wiese auf.

5.Tag Samstag der 14. Juni

5:45 heißt es aufstehen. Zelte schnell albbauen, bevor jemand vorbei kommt. Danach lassen wir uns Zeit für Frühstück und wach werden. Die Strecke bleibt flach und der Wind kommt großteils aus der richtigen Richtung. In Barth machen wir nochmal Stop zur kurzen Besichtigung und vor allem um unsere Vorräte im Supermarkt fürs Wochenende aufzustocken. Da auch geht es nach Zingst hoch und auf den Darß. Heute ist irre viel los auf den Fatrradwegen. Eigentlich ist die Strecke schön, aber mit den Kolonnen von Radfahrern macht das weniger Spaß. Ab Mittag dröckt die Sonne enorm. Die Nordküste vom Darß besteht aus Kilometerlängen Sandstränden Mit schon ziemlich viel Badegästen. Ab Prerow geht's dann wieder südostwärts vom Darß runter und wir haben auf einmal Gegenwind, was die Fahrt ziemlich langsamer und mühseliger macht. Hinter Ahrenshoop finden wir noch eine idyllische Stelle hinter einem Trampelpfad durchs Gebüsch mit Blick von der Steilküste auf Strand und Meer. Bis Dierhagen geht's heute wo wir auf dem örtlichen Camping einchecken.

6.Tag Sonntag der 15. Juni

Wir lassen uns Zeit heute. 10 Uhr geht's los. Die Strecke geht immer in Strandnähe lang, teils durch schöne Wälder, wirklich idyllisch. In Graal-Müritz machen wir in einem schönen Waldpark Rast. Und beschließen uns heute auf pseudo-chinesisch zu unterhalten. Heißt wir tauschen in allen Wörtern das R durch ein L aus. Das geflügelte Wort für heute wird damit “Landalielende Lentnel’. 
Nach dem Park sind wir dann auch ziemlich schnell an der Fähre nach Warnemünde rüber. Hier sind irre viele Menschen unterwegs. So machen wir uns nach einem Blick auf die vor Anker liegenden Kutter und Kreuzfahrtschiffen auch schnell weiter. Kurz vor Heiligendamm kommen wir durch einen superschönen Wald mit Meerblick, der sogenannte Gespensterwald. Wow ist das schön hier, man kann sich kaum losreißen. Leider zieht sich vor uns der Himmel immer mehr zu und kurz hinter Heiligendamm öffnet der Himmel seine Schleusen. Wir retten und in Regenklamotten erstmal unter die Sonnenschirmen des nächsten Restaurants. Nach dem ersten Guß geht's dann im Nieselregen auf Unterkunftssuche. Kurz vor Kühlungsborn werden wir fündig. Ein überdachter Picknickplatz mit einer Strandtoilette dahinter und hinter der Strandtoilette gibt es ein kleines verstecktes Stück Rasen, da werden wir heute Abend um 10 Uhr unsere Zelte aufbauen. Aber erstmal wird am Picknickplatz vorne Essen gekocht. Spaghetti was sonst.

7.Tag Montag der 16. Juni

Frühs heißt es zeitig aufstehen. Bis 6:30 haben wir unsere Zelte abgebaut und verpackt. Auf dem Picknitzplatz vor der Strandtoilette gibt's erstmal Frühstück und warten darauf, das die Strandtoilette wieder aufgeschlossen wird, die Waschgelegenheit dort wollen wir uns nicht entgehen lassen. Danach geht's erstmal nach Kühlungsborn rein. Wir müssen nach dem Wochenende unsere Lebensmittelvorräte wieder auffüllen und ich muß mein leere Gaskartusche fürs Kochen ersetzen. So kommen wir erst ziemlich spät auf Strecke. Wir haben heute aber auch nur 50km zu fahren. Es geht auf die Insel Pöhl zum Timmendorfer Strand. Till hat sich hier auf dem Camping mit einem Freund (Eberhard) verabredet, der ein paar Tage mit radeln will. Die Strecke führt heute etwas ins Hinterland, was uns ganz Recht ist, der Wind hat mittlerweile gedreht und kommt aus West bis Nordwest, so daß man an der Küste ziemlichen Gegenwind hat. Die Insel Pöhl ist klein aber ganz nett und so auch schnell durchquert. Am Timmendorfer Strand gibt es einen kleinen Hafen mit Leuchtturm und die üblichen Imbisse und Restaurants für Touris. Nur Eberhard treffen wir nicht, für den wir extra hier her gefahren sind. Er meldet sich bei Till, das er auf Grund eines Infekts die Strecke heute hierher nicht schafft und unterwegs campt. So machen wir für morgen in Wismar einen neuen Treffpunkt aus.